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Erste Schritte

Eignet sich dein Dach für Solar? Ein 5-Minuten-Selbsttest

Eine schlichte Checkliste, um zu entscheiden, ob sich Module auf deinem Dach lohnen, mit echten deutschen Zahlen und dem einen Faktor, den Kartentools immer übersehen.

7 Min. Lesezeit·Aktualisiert 4. Juni 2026·Praxisleitfaden

Die kurze Antwort und die sechs Dinge, die sie bestimmen

Die meisten Schrägdächer in Deutschland sind gut genug für Solar. Die Frage lautet meist nicht ja oder nein. Sie lautet: wie gut, und ob der Ertrag die Kosten an deiner konkreten Adresse rechtfertigt.

Sechs Faktoren entscheiden darüber. Die Ausrichtung (in welche Richtung das Dach zeigt). Die Neigung (wie steil es ist). Die nutzbare Fläche (wie viele Module rund um Schornsteine, Fenster und Lüftungen passen). Die Verschattung (Bäume, Nachbargebäude, dein eigener Schornstein). Dachalter und Statik (ob es Module 25 Jahre lang tragen kann). Und die Einstrahlung deiner Region (wie viel Sonne dein Teil des Landes tatsächlich abbekommt).

Fünf davon kannst du in wenigen Minuten vom Sofa aus abschätzen. Den sechsten, die Verschattung, schätzen Karten- und Satellitentools falsch ein, und oft ist genau er der Faktor, der über einen Standort entscheidet. Wir kommen darauf zurück.

Süden ist am besten, aber Ost-West ist heute in Ordnung

Die Ausrichtung, manchmal Azimut genannt, ist die Himmelsrichtung, in die deine Dachfläche geneigt ist. Süden ist lehrbuchmäßig am besten, weil die Module mittags zur Sonne zeigen, wenn sie am stärksten ist.

Der Nachteil, nicht nach Süden zu zeigen, ist kleiner, als die meisten denken. Laut Fraunhofer ISE beträgt der Verlust einer Ost- oder Westausrichtung gegenüber Süden typischerweise nur 5 bis 10 Prozent, solange die Neigung vernünftig ist. Deshalb sind Ost-West-Dächer in Deutschland verbreitet geworden. Fraunhofer-Daten zu registrierten Anlagen zeigen, dass die Südausrichtung von 61 Prozent der Installationen im Jahr 2000 auf 42 Prozent bis 2019 gefallen ist, während Ost-, West- und kombinierte Ost-West-Konfigurationen stetig zunahmen.

Ein Ost-West-Dach verteilt die Produktion außerdem auf Morgen und Abend, statt sie auf die Mittagszeit zu konzentrieren, was oft besser zum Haushaltsverbrauch passt. Die Ausrichtung, die wirklich schadet, ist Norden. Eine nach Norden geneigte Fläche kann bis zu etwa 50 Prozent weniger als Süden liefern und lohnt sich in den meisten Fällen nicht zur Belegung.

Um dein eigenes Dach zu prüfen, öffne eine Karten-App, finde dein Haus und notiere, in welche Richtung die Hauptdachfläche zeigt. Alles von Südost über Süd bis Südwest ist hervorragend. Reines Ost oder West ist immer noch klar lohnenswert.

5 to 10%
Typischer Ertragsverlust eines Ost- oder Westdachs gegenüber Süden, bei guter Neigung
Source: Fraunhofer ISE, via pv magazine

Die meisten Dächer haben bereits eine brauchbare Neigung

Die Neigung ist der Winkel des Dachs zur Horizontalen. Für Deutschland liegt der optimale Bereich für den Jahresertrag bei etwa 30 bis 35 Grad nach Süden, wobei im Norden etwas steilere und im Süden etwas flachere Winkel leicht bevorzugt sind. Die meisten deutschen Schrägdächer liegen zwischen etwa 30 und 45 Grad, also bereits in oder nahe dem idealen Bereich. Du musst das exakte Optimum nicht treffen. Ein paar Grad daneben kosten nur einen kleinen Prozentsatz.

Flachdächer sind ebenfalls in Ordnung. Module kommen auf geneigte Gestelle in einem gewählten Winkel, allerdings müssen die Reihen so weit voneinander entfernt stehen, dass sie sich nicht gegenseitig verschatten.

Bei der Fläche gilt als grobe Regel, dass ein modernes Modul etwa 1,7 bis 2 Quadratmeter belegt und ungefähr 400 bis 450 Watt liefert. 10 Module brauchen also rund 18 bis 20 Quadratmeter freie Dachfläche und ergeben etwa 4 Kilowatt Peak. Ziehe den Platz rund um Schornsteine, Dachfenster, Lüftungen und Gauben ab. Worauf es ankommt, ist das größte zusammenhängende Rechteck der Dachfläche, nicht die Gesamtfläche.

Die Ertragszahlen für Deutschland

Deutschland erhält rund 950 bis 1.220 kWh Globalstrahlung pro Quadratmeter und Jahr, gemessen vom DWD und berichtet vom Fraunhofer ISE, mit einem langjährigen bundesweiten Mittel nahe 1.100 kWh pro Quadratmeter. Der Süden, rund um Bayern und Baden-Württemberg, bekommt am meisten. Der Norden, rund um Hamburg und Schleswig-Holstein, am wenigsten.

In Ertrag übersetzt produziert eine gut ausgerichtete Anlage in Mitteldeutschland etwa 900 bis 1.100 kWh pro Kilowatt Peak und Jahr, im sonnigen Süden steigt das auf 1.000 bis 1.200. Der Unterschied zwischen Hamburg und München ist real, aber moderat, rund 16 Prozent. Solar ist im ganzen Land wirtschaftlich, nicht nur im Süden. Deine Region verschiebt das Ergebnis. Sie entscheidet es selten allein.

Etwa drei Viertel des Jahresertrags fallen im Sommerhalbjahr an, von April bis September. Ein Solardach ist ein Jahresdurchschnitt, kein Winterkraftwerk.

900 to 1,200
kWh pro kWp und Jahr für eine gut ausgerichtete deutsche Anlage
Source: Fraunhofer ISE / DWD / PVGIS

Der Faktor, den Kartentools nicht sehen können

Verschattung ist der Punkt, an dem gute Dächer still und leise zu mittelmäßigen werden, und sie ist am schwersten von einer Karte aus zu beurteilen. Module sind in Reihe verschaltet, sodass das schwächste den Rest mitzieht. Eine einzige verschattete Zelle kann den Ertrag eines Strings um ein Drittel oder mehr senken. Ein voll verschattetes Modul in einem String aus zehn Modulen kann den Großteil der Produktion dieses Strings kosten. Bypass-Dioden und modulbasierte Optimierer mindern den Schaden, beseitigen ihn aber nicht.

Das Problem ist, dass genau die Dinge, die Schatten werfen, von Satellitentools übersehen werden. Der Baum des Nachbarn, der um zwei Meter gewachsen ist. Ein Schornstein auf der Südseite. Ein Telefonmast. Ein Kirchturm im Südwesten. Tools wie Google Project Sunroof, das regionale Solarkataster und SunCalc modellieren den Sonnenstand gut, aber sie arbeiten mit Luftbildern und grober 3D-Geometrie und unterschätzen reale Hindernisse auf Boden- und Dachhöhe regelmäßig.

Der ehrliche Weg, das zu klären, ist, die Verschattung vom tatsächlichen Standort aus zu messen. Genau das ist ein Schattenhorizont: die Höhe, in Grad über dem Horizont, von allem, was den Himmel um dich herum blockiert. Genau für diese Lücke ist SunMeasure gebaut. Du stehst auf dem Dach oder Balkon, schwenkst dein Handy über den Himmel, und es erfasst die echte Verschattungslinie und kombiniert sie dann mit offiziellen Einstrahlungsdaten, um zu zeigen, wie viel Sonne der Standort verliert und wann. Es misst die Bedingungen, statt vom Satelliten aus zu raten, was die größte Einzelfehlerquelle einer Dachbewertung ausschaltet.

Wann sich ein Dach nicht lohnt

Solar passt nicht zu jedem Dach, und eine gute Bewertung sagt das auch. Verzichte oder warte, wenn deine Situation einem dieser Punkte entspricht.

Ein Dach am Ende seiner Lebensdauer. Module halten etwa 25 Jahre. Wenn die Eindeckung innerhalb von fünf bis zehn Jahren erneuert werden muss, sanier zuerst das Dach, sonst zahlst du dafür, die Anlage zu demontieren und neu zu montieren. Dachalter und Bausubstanz sollten vor allem anderen geprüft werden, idealerweise von einem Dachdecker.

Eine reine Nordfläche ohne nutzbare Alternative. Der Verlust von bis zu 50 Prozent rentiert sich selten, außer du hast nichts anderes und einen triftigen Grund.

Starke, unvermeidbare Verschattung. Ein geschützter Baum im Süden, ein hohes Gebäude in der Nähe oder ein tiefes Gaubenmuster kann genug Mittagssonne nehmen, dass die Wirtschaftlichkeit kippt. Miss es, bevor du entscheidest, denn die Verschattung ist der Faktor, der in beide Richtungen am häufigsten falsch eingeschätzt wird.

  • Dacheindeckung in etwa 5 bis 10 Jahren erneuerungsbedürftig: zuerst das Dach in Ordnung bringen
  • Nur eine nach Norden geneigte Fläche verfügbar: Ertrag bis zu etwa 50 Prozent niedriger als Süden
  • Dauerhafte, starke Verschattung über die Mittagsstunden, die nicht beseitigt werden kann
  • Eine Konstruktion, die nicht sicher etwa 15 bis 25 kg pro Quadratmeter über 25 Jahre tragen kann

Dein 5-Minuten-Selbsttest

Geh diese fünf Schritte jetzt durch. Zusammen geben sie dir eine solide erste Einschätzung und sagen dir, ob sich ein genauerer Blick lohnt.

Wenn die ersten vier positiv ausfallen und die einzige offene Frage die Verschattung ist, weißt du bereits, wo die eigentliche Unsicherheit liegt, und dass genau sie es wert ist, vor Ort gemessen statt von oben geraten zu werden.

  • 1. Richtung: Öffne eine Karte, finde deine Hauptdachfläche. Süd bis Ost oder West ist gut. Norden allein ist meist raus.
  • 2. Neigung: Schätze die Dachneigung. Die meisten deutschen Schrägdächer mit 30 bis 45 Grad sind bereits nahezu ideal.
  • 3. Fläche: Stell dir das größte freie Rechteck vor, abzüglich Schornsteinen und Dachfenstern. Jedes Modul braucht etwa 1,7 bis 2 Quadratmeter.
  • 4. Dachalter: Wie viele Jahre Lebensdauer hat die Eindeckung noch? Unter 10 heißt: erst das Dach angehen.
  • 5. Verschattung: Stell dich auf den Standort und schau nach Süden, Osten und Westen. Notiere jeden Baum, jedes Gebäude und jeden Schornstein, der die Skyline durchbricht, und miss dann ihre Höhe in Grad, statt zu raten.

Fragen

Muss mein Dach nach Süden zeigen, damit sich Solar lohnt?

Nein. Süden liefert den höchsten Ertrag, aber Ost- und Westdächer verlieren laut Fraunhofer ISE bei vernünftiger Neigung nur etwa 5 bis 10 Prozent, und sie verteilen den Ertrag auf Morgen und Abend. Nur nach Norden geneigte Flächen, die bis zu etwa 50 Prozent verlieren können, lohnen sich meist nicht zur Belegung.

Wie viel Sonne bekommt Deutschland tatsächlich für Solar?

Deutschland erhält rund 950 bis 1.220 kWh pro Quadratmeter und Jahr, mit einem bundesweiten Mittel nahe 1.100, gemessen vom DWD. Eine gut ausgerichtete Anlage produziert etwa 900 bis 1.200 kWh pro Kilowatt Peak und Jahr. Der Süden bekommt mehr als der Norden, aber Solar ist im ganzen Land wirtschaftlich.

Warum kann ich nicht einfach Google Project Sunroof oder das Solarkataster nutzen?

Diese Tools modellieren den Sonnenstand gut, lesen Hindernisse aber aus Luftbildern und grober 3D-Geometrie ab und übersehen daher regelmäßig echte Verschattung durch Bäume, Schornsteine, Masten und nahe Gebäude. Da eine einzige verschattete Zelle den Ertrag eines Strings um ein Drittel oder mehr senken kann, ist dieser blinde Fleck entscheidend. Die Verschattung vom tatsächlichen Standort aus zu messen, wie SunMeasure es tut, beseitigt die größte Fehlerquelle.

Was ist der beste Neigungswinkel für ein Dach in Deutschland?

Etwa 30 bis 35 Grad nach Süden ist für den Jahresertrag nahezu ideal, im Norden etwas steiler und im Süden etwas flacher. Die meisten deutschen Schrägdächer liegen bereits in oder nahe diesem Bereich, und ein paar Grad daneben kosten nur einen kleinen Prozentsatz des Ertrags.

Wann sollte ich kein Solar auf mein Dach setzen?

Warte, wenn die Dacheindeckung innerhalb von etwa 5 bis 10 Jahren erneuert werden muss, bring zuerst das Dach in Ordnung. Verzichte, wenn deine einzige Option eine nach Norden geneigte Fläche ist oder wenn starke Verschattung die Mittagsstunden bedeckt und nicht beseitigt werden kann. Im Verschattungsfall miss zuerst, denn es ist der am häufigsten falsch eingeschätzte Faktor.

Quellen

  1. PVGIS, Photovoltaic Geographical Information System (European Commission JRC)
  2. Fraunhofer ISE: Growing interest for east and west PV arrays in Germany (pv magazine)
  3. DWD, Deutscher Wetterdienst: Global, diffuse and direct radiation maps
  4. Solar irradiance in Germany: map, data and regional differences (Solantiq)
  5. Shading losses in PV systems and techniques to mitigate them (Aurora Solar)
  6. Recent Facts about Photovoltaics in Germany (Fraunhofer ISE)

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